Badenweiler Baumkulturtage 2018

Die Walnuss im Markgräflerland: Von der Nuss bis zum Tisch

Alexander Horr, Schirmherr der Veranstaltung und Geschäftsführer der Badenweiler Thermen und Touristik GmbH sowie Ulrich Pfefferer, Ihr Baumexperte aus Müllheim, sind äußerst zufrieden mit der Resonanz auf die diesjährigen Baumkulturtage vom 31. Mai bis 3. Juni 2018, die sich rund um die Walnuss drehten. Besonders bereichernd war bei dieser zweiten Auflage der Baumkulturtage die Fachpartnerschaft mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA), die den Aspekt des Nutzholzes nicht nur anhand von Vorträgen, sondern auch durch eine spannende Waldexkursion beleuchtete.

Insgesamt über 100 Badenweiler Bürger, Kurgäste, interessierte Laien und Experten aus der Baumpflege sowie dem Forst nutzten das äußerst abwechslungsreiche Vortrags- und
Exkursionsprogramm. Weitere Highlights waren die Besichtigung der alten Oberweiler Ölmühle sowie die Möbelschreinerei von Jonny Brändlin in Sulzburg-Laufen, die sich unter anderem auf die Verarbeitung von Walnussholz spezialisiert hat.

Baumexoten im Badenweiler Kurpark hautnah erleben

Die Auftaktveranstaltung der Baumkulturtage in Badenweiler fand am Donnerstagnachmittag in der Kurparkgärtnerei, der Wirkungsstätte von Kurparkleiter Harald Schwanz, statt. Hier präsentierte der Hüter ausgefallener Baumexoten die Anzucht und Pflege seiner pflanzlichen Juwelen, die es danach bei einem ausführlichen Rundgang im Kurpark in teils gigantischen Dimensionen zu erleben gab. Neben Harald Schwanz standen Dr. Jens-Uwe Voss, Gehölzkenner aus Müllheim, und Ulrich Herzog vom Pflanzencenter Fautz in Bad Krozingen den Teilnehmern Rede und Antwort für fachgerechte Standorte und die Kultur von Baumbesonderheiten im eigenen Garten. Einen wunderschönen literarischen Abschluss dieses ersten Tages bildete die Lesung von Petra Seitz und Martin Lunz vom LiteraTheater. Die Geschichten von Jean Giono „Der Mann der Bäume pflanzte“ und Auszüge aus dem Buch von Julia
Butterfly Hill „Die Botschaft der Baumfrau“ beeindruckten die Besucher nachhaltig und regten zum Nachdenken über den tatsächlichen Wert dieser großen grünen Geschöpfe unserer Erde an.

Der Eichelhäher nimmt den Schnabel gerne voll

Um das Leben von der Hand in den Mund, also um die leckeren und gesunden Walnüsse, ging es an den beiden folgenden Veranstaltungstagen. Doch nicht nur die harten Nüsse sind interessant, auch das Holz ist begehrt und teuer.

Für die FVA in Freiburg, die sich das Messen und Bewerten der Nachhaltigkeit, die Klimafolgenforschung sowie den Waldnaturschutz und die Biodiversität auf ihre Fahnen geschrieben hat, ist die Walnuss deshalb seit einigen Jahren in den Forschungsfokus gerückt. Sie ist eine Bereicherung für passende Standorte und im Zuge der Klimaerwärmung eventuell eine Alternative für Fichte und Buche beim Waldbau, erklärte, Prof. Konstantin Freiherr von Teuffel, Direktor der FVA. Dr. Hans-Jochen Meyer-Ravenstein, Vorsitzender der Interessengemeinschaft (IG) Nuss, sieht im Holz der Walnuss zudem einen guten Ersatz für Tropenholz und eine hohe Wirtschaftlichkeit für Privatwaldbesitzer. Die 200 Mitglieder der IG Nuss besitzen hierzu geballtes Wissen, das sie gerne in ihren Exkursionen weitergeben (www.ig-nuss.de). Auf interessanten botanischen „Pfaden“ wandelte PD Dr. Gregor Aas, Leiter des
ökologisch-botanischen Gartens der Universität Bayreuth, als er die Herkunft und dieFamilienverhältnisse der Walnuss erläuterte und dabei auch so spannende Verwandte wie die
Pekannuss, die Ringflügelnuss, die Butternuss und die Japanische Flügelnuss vorstellte. Die Zuhörer wissen nun, dass es sich bei einer Walnuss tatsächlich um eine echte Nuss handelt und nicht um eine Steinfrucht. Eine Frage, die die Botaniker lange umtrieb. Nachdem es sowohl den Eschen als auch den Erlen in den Auwäldern nicht mehr gut geht, brachte Aas auch hier die Walnuss als Alternative ins Spiel.
Mittlerweile nimmt sogar der Eichelhäher seinen Schnabel gerne richtig voll und verbreitet so die Walnuss im Wald.
Matthias Schott von der Nussbaumschule Schott im Kaiserstuhl ging im Anschluss näher auf die Sortenwahl für ertragreiche Walnussernten ein. Auch zum Anbau und der Ernte in Plantagen wusste Schott einiges zu berichten, inklusive der Probleme durch die Walnussfruchtfliege. Die Sorte mit der größten Frosthärte ist laut Schott die Nr. 1247, die Temperaturen bis minus 25 Grad Celsius und sogar darunter aushält. Als wichtigste Sorten im Anbau beschreibt Schott die Nr. 139 und die Nr. 120, die als Massenträger bekannt ist.

Die härtesten Nüsse bringen das beste Holz

Ein Forschungsprojekt von Prof. Dr. J.Ph. Schütz von der ETH in Zürich lieferte die Erkenntnis, dass die Produktion von Wertholz mit Nüssen aus den Ursprungsgebieten (Südwestasien) der Walnuss am erfolgreichsten ist. Förster Hansjörg Lüthy betreute über viele Jahrzehnte die Versuchsflächen in der Schweiz und berichtete, dass die Nüsse dieser Bäume nicht einmal mit dem Hammer zu öffnen sind. Andreas Ehring, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Waldwachstum wertet die Daten bis heute aus. Auf Grundlage dieses Projektes entstand der mittlerweile 20-jährige Walnussmischbestand im Eichwald in Müllheim, gezogen aus den Schweizer Nüssen von Hansjörg Lüthy. Oswald Keller,
Forstwirtschaftsmeister, zeigte auf der Exkursion in den Eichwald in beeindruckender Geschwindigkeit und handwerklicher Präzision, wie das für diese Baumart wichtige „Ästen“ in der Praxis funktioniert. Erst das Entfernen der Äste führt zum qualitativ hochwertigen Holz der ausgewählten Zukunftsbäume.

Revival einer Nuss

Zukunftspotenzial, wenn es um gesunde Ernährung aber auch die direkte Vermarktung geht, sieht Vivian Böllersen – Master of Science Ökoagrarmanagement – in der Walnuss jede Menge. Im Rahmen ihrer Masterarbeit beschäftigte sie sich intensiv mit dem Nussanbau, trug neues und altes Wissen zusammen und schrieb darüber ein Buch mit dem Titel „Revival der Walnuss“. Mittlerweile ist sie stolze Besitzerin einer eignen Junganlage auf 4,5 Hektar in der Nähe von Berlin und freut sich bereits über die ersten Früchte an den 30 unterschiedlichen Sorten.

Walnussöl auf den Tisch

Schmackhaftes Öl tropfte am Samstagnachmittag in der über 300 Jahre alten Ölmühle der Familie Eberhardt in Oberweiler in die Kannen. Jürgen Eberhardt presste vor den Augen der Teilnehmer das Öl der Walnüsse, das im schmalen goldenen Rinnsal floss. Leckere mit Nussmehl angereicherte Brotscheiben, die er zuvor in das mit Holz befeuerte Rührwerk gelegt hatte, wurden zur Verkostung gereicht. Hier werden die Nüsse auf 38 bis 40 Grad Celsius schonend erhitzt, damit sich das Öl verflüssigt. „Zwei Kilogramm Nüsse ergeben einen Liter Öl“, erklärt Eberhardt, aber inzwischen gibt es nur noch wenige Menschen, die Zeit und Muße zum Knacken und Schälen der Nüsse haben.
Jonny Brändlin, Schreiner in Laufen, zeigte im Anschluss, was aus dem 80-jährigen Walnussbaum „Waldemar“, den die Firma Pfefferer BAUMkultur professionell und somit werterhaltend inmitten einer Wohnsiedlung fällte, geworden ist. Durch einen mobilen Holzsäger in Scheiben geschnitten und mit einem besonderen Verfahren in wenigen Tagen getrocknet, entstand aus Waldemar bereits ein Esstisch, der durch seine Maserung absolut beeindruckte. Drei Tonnen wog Waldemar nach der Fällung und er
bekam durch Jonny Brändlin die Chance auf ein Leben nach dem Tod als Möbelstück, an dem noch Generationen sitzen werden.
Eine kulinarische Geschmacksexplosion bot das Walnussmenü im Landhotel „Alte Post“ in Müllheim am Freitagabend. Zusammen mit erlesenen Weinen und auf Alemannisch rezitierte Gedichte von Johann Peter Hebel, war dies ein besonderes Erlebnis aus dem Reich der Nüsse und der Lyrik im Kreise der Referenten und Gäste.
Den Abschluss der Baumkulturtage bildete am Sonntag der lyrische Baumweg mit sieben Stationen im Kurpark von Badenweiler mit Petra Seitz und Martin Lunz.

 
Thema und Termin für die Baumkulturtage 2019 stehen bereits fest: Vom 20. bis 23. Juni 2019 geht es dann um „Die Weißtanne im Schwarzwald“ und auch die FVA ist als Fachpartner wieder mit an Bord.