Wir kommen bestimmt wieder…
Das Hebel-Gymnasium Pforzheim auf den Spuren Tschechows in Badenweiler
Erneut hat sich bestätigt, dass kulturorientierte Gymnasien an Badenweiler ein besonderes Interesse haben, kamen doch am 27.1.2011 die Russischkurse der Stufen 12 und 13 des größten Pforzheimer Gymnasiums, des naturwissenschaftlich-neusprachlichen Hebel-Gymnasiums, zu einem ganztägigen exklusiven Museums- und Stadtrundgang ins südbadische Heilbad.
Wahrscheinlich hätte sich auch über den Namensgeber der Schule, Johann Peter Hebel, eine Verbindung zu Badenweiler, dessen geliebtem „Paradiesgärtlein“, herstellen lassen, war doch in Pforzheim Hebels Veleger Johann Michael Katz beheimatet, mit dem er sich allerdings längere Zeit zerstritten hatte. Doch die engagierte Musik- und Russischlehrerin Olga Trott war mit ihren 15 Schülern und Schülerinnen nach einer Tschechow-Unterrichtseinheit natürlich wegen des bekanntesten russischen Kurgastes ins Heilbad gekommen. Russisch wird am Hebel-Gymnasium als dritte Fremdsprache neben Französisch und Spanisch ab der 8. Klasse unterrichtet, da ist es natürlich ein Glücksfall, wenn man über das Internet als Lehrer entdecken kann, dass im gleichen Bundesland noch ein höchst aktives Begegnungszentrum für deutsch-russische Kultur existiert. Die Fama, die Badenweiler mit Tschechow aber auch der zeitgenössischen russischen Kultur verbindet, wirkte wohl umso nachhaltiger, da das ganze Schulprofil des Gymnasiums auf „Begegnungen“ ausgerichtet ist.
So wurde aus dem ursprünglich reinen Museumsbesuch im „Tschechow-Salon“ unter der Leitung von Museumsleiter Heinz Setzer auch ein über dreistündiger Spaziergang durch die Regionalgeschichte mit russischen Schwerpunkten.
Nach der Visite im Museum, bei der es gleich zu Führungsbeginn einer Schülerin aufgrund der anstrengenden Busfahrt schlecht wurde und diese dann samt zwei Begleitern für die erste Programmhälfte ausfiel, ging es zum Tschechow-Denkmal am Burgberg, dessen schicksalhafte deutsch-russische Geschichte mit Einschmelzung im Ersten Weltkrieg und der „Wiedergeburt“ als Geschenk Sachalins auch die Schüler staunen ließ. Dann durfte zum Tschechow-Stein am Schwanenweiher nicht fehlen, der trotz seiner einfachen grabsteinähnlichen Form nicht minder Interesse erregte, als Setzer berichtete, dass hier 1964 die (west-)deutsch-sowjetische Aussöhnung mit der Einladung der ersten sowjetischen Journalistengruppe nach dem Zweiten Weltkrieg durch Bundeskanzler Erhardt ihren Anfang genommen habe. Wohl kaum jemand hatte erwartet, dass die Literaturgeschichte in Badenweiler über so spannend ist und mit der internationalen Politik Hand in Hand ging.
Leider strafte eine eisige Nebelsuppe den Ruhm Badenweilers als Ort hoher Sonneneinstrahlung so massiv Lügen, dass die Gruppe am Tschechow-Denkmal kaum mehr zu fotografieren war und die berühmten Panorama-Ausblicke von der Burg auf den Blauen oder vom Vogesenblick ins Rheintal nur noch verbal zu vermitteln waren.
Dafür sollte zumindest der Blick auf die große römische Historie Badenweilers nicht zu kurz kommen – ging es doch auch über die moderne Besichtigungsbrücke in der römischen Badtherme, wo auch der Beginn der Landesdenkmalspflege mit der Ausgrabung der Ruine 1784 natürlich nicht ungewürdigt bleiben durfte. Danach, schon in leidlich eingefrorenem Zustand, ging es zum Tschechow-Platz und zur Cassiopeia-Therme, um zumindest im alten Marmorbad wieder aufzutauen. Dann kam aber auch schon der Bus für die Heimreise in die ehemalige badische Residenzstadt Pforzheim. Der einhellige Abschiedsgruß der Gruppe: wir kommen wieder, aber bei besserem Wetter.
Autor: Heinz Setzer




