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Freitag, 27. Mai 2011

"Oldtimer fährt man mit Ehrfurcht"

100 Oldtimer kamen für drei Tage zum Internationalen Treffen der Badischen Oldtimer Freunde nach Badenweiler.

"Ein Oldtimer muss kein gelecktes Fahrzeug sein. Man darf ihm sein Leben ansehen", sagt Rainer Rhode aus Bad Bellingen. Und doch haben am Wochenende 100 Oldies in Badenweiler um die Wette geglänzt, beim internatonalen Oldtimer-Treffen zum Jubiläum "125 Jahre Automobil". Bei einer Nachtparade fuhren sie am Freitagabend durch Badenweiler und bei der Geburtstags-Rallye am Samstag 120 Kilometer weit durchs Markgräflerland.
"Wer so ein Hobby hat, muss ein bisschen verrückt sein", meint Mitorganisator Winfried Martini von den Badischen Oldtimer-Freunden. An Verrückten scheint kein Mangel: Der Club hat 160 Mitglieder im Dreiländereck, zu der dreitägigen Veranstaltung kamen sogar 250 Gäste nach Badenweiler. Er habe erst als Pensionär damit angefangen, sagt der 76-jährige Martini, der auch Fahrten für Fördervereine krebskranker Kinder veranstaltet. Er fährt einen Mercedes SL, Baujahr 1964, und einen Lancia Delta, die Rallye-Ikone mit sechs Weltmeistertiteln. Der Lancia von 1988 sei aber kein Old- sondern ein Youngtimer, denn, so Martini, echt sei ein Oldie erst ab 30 Jahren. Martini klärt auf, dass es drei Fahrertypen gebe: die mit den schwarzen Fingernägeln, die ihr Auto selbst reparieren, jene, die nur bei Sonne fahren und die Karosserie mit der Zahnbürste putzen, und Fahrer, die einfach nur Freude an den schönen Autos haben.

 

Zur letzten Kategorie gehört Rainer Rhode aus Bad Bellingen. Seine Frau Carmen hat ihm vor vier Jahren eine Mitgliedschaft im Badischen Club geschenkt, sie unterstützt sein Hobby. Oldtimer, wie eine Ente oder einen Käfer könne man schon für 800 Euro erwerben, sagt Rhode, wenn man, wie er, einen guten "Schrauber" als Freund habe. Seiner heißt Thilo Sickinger, wohnt im Elsass und hat immer etwas zu tun in Rhodes Fuhrpark. Da gibt es einen 34 Jahre alten 450er SEL. Diese Mercedes-Limousine mit 225 PS sei früher die Klasse der Generaldirektoren gewesen, sagt Rhode. Sein zweiter Mercedes, ein 280er SLC Coupé, ist auch schon 31 Jahre alt. Und eine stete Erinnerung an seinen besten, verstorbenen Freund, ist ein Fiat Topolino – "das Mäuschen" – ein Roadster-Prototyp, Baujahr 1952 mit 19 PS. Zum Oldtimer-Treff Badenweiler hat Rainer Rhode aber sein Lieblingsauto mitgebracht: den Ford A, Town Sedan, Baujahr 1930.

 

Kooperationspartner des Clubs war die Badenweiler Thermen Touristik GmbH (BTT). Sie organisierte die Nachtparade, bei der Zuschauer gegen einen Obolus für die Grundschule Badenweiler mitfahren konnten. Im ältesten der 22 Vorkriegsmodelle, dem "De Dion Bouton", ein Ein-Zylinder, Baujahr 1908 mit Anlasskurbel, war Angelika Lesniak (BTT) Beifahrerin des Clubvorsitzenden Hannes Steim.

 

An der Spitze des nostalgischen Korsos fuhr Rainer Rhode mit seinem Ford A. Bei diesem ist beim Einstieg Vorsicht geboten: Denn auf dem breiten Trittbrett der Fahrerseite ist der Reservekanister befestigt – auf langen Strecken eine sinnvolle Sache, wenngleich Schrauber Thilo den Verbrauch von 20 Litern Benzin je 100 Kilometer bereits auf 13 Liter drosseln konnte. Die braucht der Oldie jedoch nur bei seiner Spitzengeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern. "Aber nicht mit mir", betont Rhode: "Ein Kulturgut muss man schonen."

 

Vor dem Start öffnet der Fahrer den Benzinhahn für den Anlasser. Wenn das nicht klappt, gibt es auch eine Kurbel. Das Fahren ist etwas für Könner, die Gänge sind nicht synchronisiert und das Sichtfeld ist eingeschränkt. "Klar", sagt Rhode, die damaligen Fahrer hätten mangels Verkehr nur nach vorne schauen müssen.

 

In der Luisenstraße winken viele Zuschauer und beim Anstieg in der Blauenstraße hat der Ford A die Nase vorn, obwohl der Vier-Zylinder nur 40 PS hat. Maßgebend für die Power am Berg sei der 3,4 Liter Hubraum, schwärmt der stolze Besitzer. Dieser Typ sei das zweite Fahrzeug gewesen, das Erfinder Henry Ford in Großserie am Fließband habe bauen lassen. Die verkauften Stückzahlen könnten ohne weiteres mit dem VW-Käfer mithalten, weiß der Oldiefahrer. In den 1930er Jahren seien in Amerika teuere Autos mit echtem Holz ausgestattet worden. Henry Ford habe aber ein großes Ziel gehabt, nämlich "Mobilität für alle". Er habe den Innenraum deshalb mit günstigem Metall in Holzoptik gebaut. Nicht benötigt wurde am Freitag die Heizung. Vorhanden ist die aber schon. Sie läuft über ein Gebläse, das Auspuffwärme in den Innenraum bläst. Die Temperatur kann dann übers Fenster reguliert werden. Er würde am liebsten nur Oldtimer fahren, bekennt Rainer Rhode: "Man lenkt so ein Auto mit Ehrfurcht, fährt gemütlich und mit viel Gefühl. Das macht einfach gute Laune."

 

Gute Stimmung machte am Freitag auch ein Regenbogen. "Das ist schöner als jedes Feuerwerk, kostenlos und umweltfreundlich", sagte ein Zuschauer.

Quelle: Badische Zeitung

 
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