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Dienstag, 24. August 2010

"Lass’ den Wind vorüber wehen"

Die Tanzperformance des Künstlers Hans Frick in der Wandelhalle im Kurpark von Badenweiler.

 

Aus Gusseisen wurde 1882 die Wandelhalle in Badenweiler gebaut, mit dem Ziel, Kurgästen das Promenieren auch bei schlechtem Wetter zu ermöglichen. Sie sollten trockenen Fußes wandeln können. Einen ganz anderen Wandel demonstrierte der Künstler Hans Frick am Samstag mit einer eindrucksvollen Tanzperformance in der Wandelhalle.

 

Es ging dabei auch um den Wandel von Werten in einer zunehmend materialistisch ausgerichteten Gesellschaft. Um das Innehalten und Rückbesinnen auf das Wesentliche. Vor mehr als sechzig Zuhörern mitten im idyllischen Kurpark vonBadenweiler – und bei strahlendem Sonnenschein – ließ Hans Frick die historische Wandelhalle für sich selbst sprechen: "Ich bin nur der Ort, an dem gefühlt und gedacht wird."

 

Hans Frick, der Grafik-Design, Kunst und Germanistik studiert hat, lebt als freischaffender Künstler in Badenweiler. Er ist einer der Künstler des Kunstpalais-Vereins, die in ihrem eigentlichen Domizil, dem Großherzoglichen Palais in Badenweiler, im Spätherbst eine große Ausstellung aus Anlass der Heimattage Baden-Württemberg präsentieren. Fricks Arbeit ist jedoch so groß, dass es den Rahmen der Ausstellungsräumlichkeiten sprengen würde. Daher hatte er zu einer eigenen, aus dem Palais ausgelagerten Tanzperformance in die Wandelhalle eingeladen.

 

Der Künstler sprang dabei vom obersten Tritt einer Leiter, die ins Nichts führte, und landete sanft auf einem Federkissen. Beim Zerplatzen des Kissens tanzten die federleichten Daunen im Wind – "Lass’ den Wind vorüberwehen, stelle ihm keine Fragen, denn sein Sinn ist es, Wind zu sein." Auf einem Kreis, eingebettet in Rindenmulch, erstellte Hans Frick dann sein Haus, aber nicht die besagten vier Wände, sondern nur die vier Ecken, die jedem einen Blick ins Innere gewähren. Frick: "Eine bescheidene Hütte, die dir gegeben, nimmt dich besser auf, als der Palast, der dir gebührt."

 

Dieses Zitat von Hans Frick umschreibt auch die Geschichte der Wandelhalle. Sie wurde 1882 als damals bedeutendste Gusseisen-Halle im Südwesten Deutschlands errichtet – in Badenweiler, an der Stelle, wo heute das Kurhaus steht. Sie war 45,5 Meter lang und 4,5 Meter breit. 1969 wurde die Wandelhalle abgerissen und stattdessen zum "Wandeln bei schlechter Witterung" das Kurhaus gebaut. Teile der alten Wandelhalle hat man dann im Kurpark, beim Aussichtspunkt "Neuer Vogesenblick", wieder aufgestellt – wohl auch als "Hof des Gedächtnisses", wie Hans Frick in seiner Performance so treffend formulierte.

 

Quelle: Badische Zeitung

 
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