Heilthermen feiern Geburtstag
Vor 225 Jahren wurde die römische Badruine in Badenweiler entdeckt und ausgegraben. Sie gilt unter Historikern neben den Thermen in Rom als bedeutendste Badeanlage der Antike.
"Aquae Villae" nannten die Bauherren Badenweiler, als sie vor 2000 Jahren die Quellen gefunden und das Bad gebaut haben. Erinnernd an die Ausgrabung im Jahr 1784 wird nun der 225. Geburtstag der Ruine gefeiert.
Bekannte Archäologen, Denkmalpfleger und Historiker der Universität Freiburg feiern die Entdeckung der Badruine mit Bildvorträgen im Kurhaus Badenweiler und archäologischen Führungen durch den Römischen Badetempel. Mitten im Kurpark, der bereits 1758 angelegt worden ist, und hinter der modernen Therme Cassiopeia steht die antike Badruine. Sie gilt als der am besten erhaltene Römerbadetempel nördlich der Alpen. Seit 2001 wird die 93 Meter lange und dreißig Meter breite Ruine mit einem neuen, freitragend gewölbten Tonnendach aus Glas und Stahl überspannt und vor dem weiteren Zerfall geschützt.
Laut einer Chronik soll Großherzog Karl Friedrich von Baden im Jahr 1783 angeordnet haben, für den Umbau des Amtshauses in Badenweiler, kostenlose Steine der "bemoosten Ruine im Kurpark" zu verwenden. Dabei soll Freiherr Wilhelm von Edelsheim – ein Kenner der römischen Bauwerke in Rom – das antike Kleinod entdeckt haben. Ein Jahr später erfolgte methodisch und wissenschaftlich kontrolliert die Freilegung, die die erste ihrer Größenordnung in der archäologischen Geschichte Deutschlands gewesen sein soll. Schon damals hat man den einzigartigen Wert der Ruine erkannt und sie mit einem Schutzdach versehen. Auffallend an dem Bad ist, dass sich mehrere Umkleide- und Schwitzräume und vier große Badebecken symmetrisch um eine Mittelachse gruppieren. Möglicherweise wurden die Badegäste nach Geschlechtern getrennt. Und es waren die Römer, die die Fußbodenheizung erfunden haben. Mit ihrem "Hypokausten-Prinzip", zirkulierenden, mit Holz geheizten Heißluftkanälen erwärmten sie Fußböden und Wände. Intakt ist bis heute der 140 Meter lange, begehbare Drainagekanal rund ums Bad. Finanziert vom Land Baden-Württemberg wurde der Kanal in akribischer Handarbeit an den eingestürzten Stellen repariert, ganz exakt nach dem Verfahren der römischen Bauherren.
Mit der Wiederentdeckung und Freilegung des römischen Badetempels wurden die warmen Mineralquellen und somit auch das Heilbad Badenweiler weltweit bekannt. Das ist Grund genug zu feiern. Das Römerbad ist zwar schon fast 2000 Jahre alt, die Ruine und die Auffindung der römischen Heilthermen haben aber jetzt erst ihren 225. Geburtstag.
Jubiläum der römischen Heilthermen: Ganztags am Samstag, 17. Oktober, 10 Uhr bis 16.15 Uhr, mit Bild- und Fachvorträgen von Archäologen, Denkmalpflegern, Historikern und Architekten im Kurhaus Badenweiler. 16.30 Uhr kulturgeschichtliche Führung durch die Römische Badruine Badenweiler mit Professor Gerhard Fingerlin.
Quelle:Badische Zeitung
Autor: Sigrid Umiger







