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Dienstag, 03. Mai 2011

Genussvoll zelebrierter Jazz

Das Publikum war begeistert vom Konzert von "The Big Chris Barber Band" in Badenweiler.

Da steht er auf der Bühne, groß gewachsen, gentlemanlike, gerade 81 geworden und verbreitet schelmischen Witz und Charme, und das obwohl man nur jedes zweite oder dritte Wort seines gut verrührten deutsch-englischen Cocktails versteht. Das Publikum im vollbesetzten Bühnensaal ist hingerissen, denn hier steht Chris Barber, die Legende des englischen Jazz. Veranstaltungsleiterin Angelika Lesniak ist bei der Begrüßung der Stolz anzumerken, diesen großen Fisch für Badenweiler an Land gezogen zu haben. Sie spricht mit Recht von einem "unbedingten Highlight" in der aktuellen Kultursaison im Kurort.

 

Und dann legt sie los, "The Big Chris Barber Band", zelebriert einen eleganten, lässigen Swing, in dem die Posaunen schmachten und die Trompeten von Mike "Magic" Henry und Peter Rudeforth jauchzen. Den harmonischen Kitt liefern die Saxophone und Klarinetten und hinten auf der Bühne hält eine zuverlässige Rhythmusgruppe aus Drums, Banjo und Gitarre die Sache in Bewegung. Sofort ist sie da, diese beschwingte Stimmung, genussvoll und ohne Eile zelebrierter federnder Jazz, der das Publikum vom ersten Ton an mitnimmt.

 

Im Laufe des Abends erleben die Zuhörer frappante Soli. Vor allem die junge Saxophon-Studentin Amy Roberts reißt mit ihrem druckvollen Spiel immer wieder zu Begeisterungsstürmen hin, aber auch ihre beiden Kollegen David Horniblow, der das Bass-Sax so schön zum Röhren bringt oder Richard Exall, ein Meister der Klarinette, zeigen, dass hier in der Truppe nur Ausnahmemusiker versammelt sind. Und natürlich der Meister selbst: Seine Posaune kann singen und grölen, jammern und flüstern.

 

Doch auch wenn er sich von Jackie Flavelle, einem Urgestein der Band, den Bass "ausleiht" macht er an den Saiten eine großartige Figur und erweckt sechs Jahrzehnte Jazzgeschichte zum Leben. Seine Stimme klingt fast jugendlich, wenn er singt. Nur seine launige Moderation lässt sich allenfalls in Bruchstücken verstehen, was aber den Spaß, Chris Barber leibhaftig auf der Bühne zu haben, nicht im Geringsten schmälert. Und immer wieder fällt das Stichwort "Schellackplatte".
Neben ihm an der Posaune zeigt Bob Hunt seine Meisterschaft mit prächtigen Glissandi und wandlungsfähiger Tongebung.
Hatte man am Anfang den Rhythmus vor allem als Puls wahrgenommen, wurde die Aufmerksamkeit in dem Moment auf den hinteren Bereich der Bühne gelenkt, als Drummer Gregor Beck zu einem mächtigen Solo ausholte, das in den Begeisterungsstürmen im Saal sein Echo fand. Und schließlich zeigte auch Joe Farler am Banjo, dass er nicht nur zur Untermalung da ist und sein Instrument zwar vergleichsweise leise ist, aber voller Energie und Aktionsfreude steckt.

 

Zwei Stunden lang zeigt diese Band dann, wie wandlungsfähig und abwechslungsreich dieser mit dem New Orleans-Jazz groß gewordene Chris-Barber-Sound ist. Vom vollen glänzenden Tutti aller zehn Musiker bis zu kammermusikalisch anmutenden Duo- und Trio-Besetzungen reicht das Spektrum.

Einen spannenden Dialog liefern sich beispielsweise Chris Barber mit der Posaune und Jackie Flavell mit dem Bass, wobei verblüffende Klangverwandtschaften der beiden Instrumente offengelegt werden. Eine Chorversion mit allen Bläsern als Vokalisten, untermalt von der Rhythmusgruppe, bringt eine neckische Note ins Programm.

Als schließlich nach dem großartigen, nach pathetisch getragener Einleitung im vollen Tutti musizierten Kehraus "Oh when the saints go marchin' in" noch als Zugabe das legendäre "Ice cream" erklingt, ist die Begeisterung im Saal grenzenlos.

 

Quelle: Badische Zeitung

 
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