Gelungenes Jubiläum
der „Kostbarsten Römerruine rechts des Rheins“
Wer von den Zuhörern des voll besetzten Vortragssaals noch nicht wusste, dass Badenweiler sich mit seinem kulturhistorischen Ensemble von römischer Badruine, Burgruine Baden und dem englischen Landschaftsgarten vor allen anderen deutschen Heilbädern auszeichnet, der konnte das am 17.10. überzeugend aus sieben verschiedenen fachlichen Blickwinkeln erfahren.
Museumsleiter Heinz Setzer, welcher dieses ganztägige Symposium zur Würdigung der Auffindung der römischen Heiltherme vor 225 Jahren unter dem Titel „Im Wasser liegt das Heil. Das Imperium Romanum und die Badelust in Badenweiler“ organisiert hatte, durfte zufrieden sein: in einer derart konsequenten und umfassenden Gesamtperspektive war dieses Ensemble als kulturhistorisches Herzstück Badenweilers zuvor noch nicht gewürdigt worden.
Nach einer herzlichen Begrüßung durch Bürgermeister und Schirmherr Karl-Eugen Engler erläuterte Prof. Dr. em. Hans Ulrich Nuber, früherer Leiter der Provinzialrömischen Archäologie der Uni Freiburg, auf anschauliche Weise die geografische Lage Badenweilers als diejenige, welche am längsten von der römischen Herrschaft rechts des Rheines profitieren konnte.
Architekt und ehemaliger Bauforscher des Landesdenkmalsamtes Stuttgart, Dr. Meinrad Filgis, spann den Faden weiter, indem er als einer der besten Kenner der römischen Architektursubstanz deren Aufbau und Funktion erläuterte. Dr. Gabriele Seitz von der Provinzialrömischen Archäologie Freiburg brachte als Spezialistin für den römischen Podiumstempel unter der Ev. Kirche dessen religiöse Bedeutung und Funktion auf den Punkt. Und Dipl.-Ing. Peter Kirch, zuständiger Leiter des Hochbauamts in Freiburg für die Badruine, entwickelte mit kaum bekannten Fotos der Baumodelle die erstaunliche 250-jährige Entstehungsgeschichte des Schutzdaches, welche dann 2001 zu der heutigen preisgekrönten Lösung des selbstragenden Glasdoms führte.
Mittelalterforscher Dr. Bertram Jenisch von der Denkmalpflege Freiburg stellte nicht nur kurzweilig neueste Erkenntnisse zur Entstehungsgeschichte der Burg Baden vor, sondern auch die im 19. Jahrhundert begangenen Restaurierungssünden und die archäologisch bis heute noch nicht erschlossenen Bereiche. Heinz Setzer zeichnete in seinem Vortrag zum „Landschaftsgarten Badenweiler in der europäischen Gartentradition“ die spannende Entwicklungsgeschichte von Kurort und Park in den letzten 250 Jahren als kulturhistorische Einheit innerhalb der badischen Landesgeschichte nach. Sein Vortrag bot einen Einblick in sein Buch zur Kulturgeschichte der Gartenanlagen Badenweilers, welches nächstes Jahr in den Handel kommen wird.
Dr. Andrea Bräuning, Leiterin des Fachbereichs archäologische Denkmalpflege beim Regierungspräsidium Freiburg, hatte nicht nur die Funktion der Symposiumsmoderation übernommen und in die Aufgaben ihres Faches eingeführt, sondern auch eine Wunschliste für die zukünftige Denkmalpflege formuliert: so vor allem die Fortführung der Erforschung von Burg- und Badruine, deren moderne didaktische Präsentation sowie jene des Landschaftsgartens, wobei sie insbesondere die Entwicklung einer botanischen Bestandsaufnahme im Sinne eines „Gartenpflegewerks“ empfahl. Neue Zielrichtung soll zudem die Erforschung der römischen Siedlung sein, welche unter dem Kurpark liegt. Ein „archäologisches Schaufenster“ zur Präsentation von Geschichtsbildern und Fundstücken nannte sie gleichfalls vordringlich.
Da Prof. Dr. Gerhard Fingerlin, der frühere Leiter der Archäologischen Denkmalpflege in Freiburg und als Landeshauptkonservator einer der jahrelangen Erforscher der Badruine, wegen Erkrankung kurzfristig abgesagt hatte, übernahm Dr. Filgis eine intensive Führung durch die Badtherme samt Stollengang. Mit dem anwesenden neuen Leiter der Provinzialrömischen Archäologie in Freiburg, Prof. Dr. Alexander Heising, sowie Dr. Andrea Bräuning und den Vertretern Badenweilers wurde für die Zukunft die Kooperation für weitere Forschungen und gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit vereinbart.
Heinz Setzer










