Eine literarische Wanderung in Badenweiler
Das kühle Herbstwetter nehmen die 22 Teilnehmer einer vierstündigen Wanderung mit Pfarrer Rolf Langendörfer gerne in Kauf.
Er führt sie auf eine literarische Tour mit der "Abenteuerlichen Reise des kleinen Schmiedledick mit den Zigeunern". Das gleichnamige Buch von Elisabeth Walter kam 1930 in Sütterlinschrift heraus, hat also Jubiläum. Der Schmiedledick-Spaziergang gehört zum Wanderprogramm der Badenweiler-Thermen-Touristik (BTT) und wurde als Beitrag zur Heimattage-Veranstaltung "Baden-Württemberg liest" aufgelegt. Die aus Lahr stammende Lehrerin und Autorin Elisabeth Walter (1897 bis 1956) weilte 1929 für einige Wochen in Badenweiler, um ihre Lungenerkrankung im Friedrich-Hilda-Genesungsheim, der heutigen Römerbergklinik, zu kurieren. Sie soll oft im Kurpark auf der Bank am Schwanenweiher gesessen und dort an ihrem Buch gearbeitet haben, erzählt Rolf Langendörfer bei der Rast auf dem Waldparkplatz Schwärze.
Das Buch beschreibt die Geschichte des von Zigeunern entführten Hotzenwälder Lausbuben Schmiedledick, der sich mit den Zigeunern anfreundet und mit ihnen durch Baden zieht. Die Autorin erzählt die lehrreiche Reise durch die badische Geografie, Ökonomie und Kultur – alles Dinge, die der Herrgott mit Petrus geschaffen hat. Beide haben, wie Langendörfer vorliest, zwischen Basel und Heidelberg Samen für Rebstöcke gestreut, über Appenweiher Meerrettich und über der Pfalz den Tabak abgeworfen und die Spargelsamen flogen bis Schwetzingen. Der Herrgott meint, die Bewohner sollen nicht klagen, sondern schinden und schaffen, denn: "Menschen werden leicht träge, wenn es ihnen zu gut geht." Badenweiler schenkten sie die heißen Quellen: "Hier sollen fortan Menschen baden, die Rheumatismus haben", sagt Petrus. In Freiburg erklärt Schmiedledick den Zigeunern, dass man Kinder taufen müsse. Auf dem Münsterplatz spricht er deshalb einen Pfarrer an und ist erstaunt, dass alle Leute vor diesem Mann "ganz tiefe Diener" machen. Kein Wunder. Es war ja der Erzbischof. Schmiedledick findet dann auch noch einen Taufpaten für das Zigeunerkind, den Verleger Herder.
Cornelia Lacher, die bei der BTT geführte Wanderungen zusammenstellt, lädt die Wanderer auf der Schwärze zu einem Glas Gutedel ein. Fast alle Teilnehmer sind Feriengäste. Walter Lindt aus Innsbruck war vor einem Jahr erstmals in Badenweiler, hat sich spontan in den Kurort verliebt und jetzt eine Wohnung gekauft. "Ich wandere gerne mit Pfarrer Langendörfer", sagt Walter Lindt.
Nach einer Kaffeepause in der Römerbergklinik wandert die Gruppe zurück zum Ausgangspunkt, dem literarischen Museum im Kurhaus Badenweiler.
Quelle: Badische Zeitung, 16.10.2010. Artikel und Bild: Sigrid Umiger



