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Freitag, 21. Oktober 2011

Ein Reformer mit Liebe zur Natur

Erste Ausstellung über Carl Friedrich von Baden in Badenweiler.

Vor 200 Jahren starb Markgraf Carl Friedrich von Baden. Die erste umfassende Ausstellung über sein Leben dokumentiert gleichzeitig Badenweilers Aufbruch in die Moderne. Die aufwendige Recherche und Organisation der Ausstellung im Kurhaus in Badenweiler übernahm ehrenamtlich der Verein "Freunde zur Pflege des Kur- und Schlossparks Badenweiler". Vernissage ist am kommenden Sonntag.
Markgraf Carl Friedrich von Baden (1728 bis 1811) war ein fortschrittlicher Reformer und besonnener Politiker. Nach dem Tod seines Vaters war er schon als Vierjähriger designierter Nachfolger seines Großvaters. Die 65-jährige Regentschaft Carl Friedrichs begann 1846. Zwei Jahre später war er erstmals in Badenweiler und befand den Badebetrieb als "recht kümmerlich". Er führte als erste Kurtaxe den "Badepfennig" ein, gab Badenweiler 1756 das Marktrecht und ließ die 1784 entdeckte römische Badruine ausgraben. Mit der Nussbaumallee setzte der Markgraf 1758 den Grundstein für den damals sechs Hektar großen Kurpark. Heute ist der Park 250 Jahre alt, rund 22 Hektar groß und als archäologisches Schutzgebiet ausgewiesen.

 

In der Ausstellung werden 32 Informationstafeln, Gemälde, historische Stiche und Dokumente – darunter Badenweilers erste Gästeliste von 1757 – präsentiert. Harald Schwanz, Vorsitzender der Parkfreunde und Leiter der Kurparkgärtnerei, dankte dem geschichtskundigen Team: Rudolf Bauert, Helmut Haase, Norbert Fichtlscherer, Rudolf Gfell, Erda Schmidt und Initiator Hans Hermann Bechinger.

 

Seit 2010 gilt der Kurpark Badenweiler als Naturdenkmal. Das basiere auf der einzigartigen Lage zwischen Ortszentrum und freier Landschaft, sei aber auch Harald Schwanz zu verdanken, der sich mit fachkundig kritischem Blick für den Erhalt der Ursprünglichkeit einsetze, lobte Rudolf Bauert. Im Kurpark liegt der 20 Ar große Gutedelgarten, bepflanzt mit 68 Gutedelklonen aus aller Welt. Auch hierfür hatte der Markgraf den Grundstein gelegt. Carl Friedrich hat (um 1780) Gutedelreben vom Genfer See mitgebracht und deren Anbau im Markgräflerland geradezu befohlen – mit nachhaltigem Erfolg. Schon vor Beginn der Französischen Revolution (1789) hat Carl Friedrich die Zeichen der Zeit erkannt und 1767 die Folter abgeschafft, 1783 die Leibeigenschaft aufgehoben und die allgemeine Schulpflicht eingeführt. 1806 wurde der Markgraf zum Großherzog ernannt und der Erbprinz Karl mit Napoleons Adoptivtochter Stephanie Beauharnais zwangsverheiratet. 1811, im Todesjahr von Carl Friedrich, baute Architekt Weinbrenner für Stephanie das Lustschlösschen "Belvedere" im Kurpark von Badenweiler.

 

Etliche der Leihgaben stammen aus der "sehr gut sortierten" Müllheimer Mediathek, wie Helmut Haase lobte. Andere, wie der Stammbaum derer von Baden – er reicht vom Jahr 709 bis 1833 – kommen aus staatlichen Archiven. Auch gibt es ein 250 Jahre altes Medaillon aus einem Antiquariat zu sehen. Aus einer Zeittafel mit rot unterlegten Kriegsjahren geht hervor, wie wenig friedlich die alten Zeiten waren. Laut Helmut Haase hätten die Schweizer früher gemunkelt: "Wenn der Frieden länger als zehn Jahre dauert, bestellt der Markgräfler Bauer seinen Acker mit einem silbernen Pflug."

 

Kornelia Harff-Asch, Geschäftsführerin der Badenweiler-Thermen-Touristik (BTT), lobte in der Pressekonferenz das fachkundige, ehrenamtliche Team der Parkfreunde und betonte: "Ich bin stolz auf diese erste Carl-Friedrich-Ausstellung." Die Vernissage am Sonntag wird von Männern in historischen Soldatenuniformen mit Salutschüssen aus Vorderladerpistolen begleitet.

 

"Aufbruch in die Moderne – Markgraf Carl Friedrich": Vernissage im Kurhaus in Badenweiler, Sonntag, 23. Oktober, 11.30 Uhr. Ausstellung bis 30. November: täglich zu sehen von 14.30 bis 18 Uhr, samstags und sonntags ab 13 Uhr. Eintritt frei.

 

Quelle: Badische Zeitung

 
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