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Mittwoch, 12. Mai 2010

Aber lassen Sie mich das noch erzählen ...“

Franz Mohr erzählte Backtage-Geschichten von den Konzertbühnen dieser Welt.

Im Rahmen einer Europatournee und auf Einladung des Schliengener Klavierstimmers Gottfried Hagen, erzählte der heute über 80 jährige ehemalige Chef-Klaviertechniker von Steinway & Sons am vergangenen Samstag mehr als zwei Stunden vor übervollem Haus und einem begeisterndem Publikum von seinen Erfahrungen als Klavierstimmer mit den Piano-Legenden aus aller Welt. Unter den Gästen auch ehemalige Weggefährten von Franz Mohr, Kollegen, Pianisten, Musikliebhaber und Kenner.
Die Menschen hinter Kino- Theater- und Konzertkulissen sind fast nie zu sehen und kommen eher selten zu Wort. Dabei können gerade sie interessante und unterhaltsame Geschichten erzählen. Franz Mohr - der Mann mit dem Stimmhammer - hat aus seiner über 30 jährigen Tätigkeit mit den berühmtesten Pianisten und anderen gesellschaftlichen Größen des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts, humorvolle Backstage-Stories aufgeschrieben.

 

Die gestimmten Flügel von Franz Mohr fanden im wahrsten Sinne des Wortes in aller Welt großen Anklang und große Meister wir Wladimir Horowitz, Glenn Gould, Rudolf Serkin oder Artur Rubinstein wussten seine “gute Stimmung“ zu schätzen. Seine Bücher zu lesen ist unterhaltsam und wissenswert zugleich, seinen Geschichten, die er mit großen Maestros hinter der Bühne erlebte, zuzuhören, das ist wie ein furioses Orchesterkonzert. Das Publikum erlebte Mohr als einen hervorragenden Redner und unterhaltsamer Erzähler.
Bei Namen wie Arthur Rubinstein, Wladimir und Wanda Horowitz oder Glenn Gould zog er aus seinem stattlichen Erinnerungsvorrat eine schier endlose Zahl von Anekdoten um die Klaviervirtuosen hervor - skurril, melancholisch, verschmitzt. Der gebürtige Rheinländer mit dem leicht eingefärbten amerikanischen Slang und der „Steinway – Schürze“ stellt niemanden mit seinen Geschichten bloß. „Ihre Ecken und Kanten“, so erzählte er, „hatten sie alle“. War es der strenge Terminplan bei Vladimir Horowitz, der seine Gage immer im Voraus wollte und dessen Piano immer die Idealposition auf der Bühne brauchte, oder die Eskapaden von Glenn Gould, der sich zum Spielen ohne Klavierstuhl auch einmal auf den Boden setzen konnte. Er erzählte eine Geschichte über eine fehlende weiße Fliege im Weißen Haus in Washington und wie Nancy Reagan in die Blumendekoration fiel. Er erzählte über seine Begegnung mit dem japanischen Kaiser Hirohito und und und – irgendwie war dieser Abend so kurzweilig und viel zu schnell zu Ende. Aber; Viel mehr Geschichten, so verweist er, findet man in seinen Büchern und auf seinem Hörbuch, das er mit dem Schweizer Autor Theologen und Künstlerpfarrer Beat Rink jüngst produzierte. Viele Gäste an diesem Abend wollten mehr von den Geschichten des besten Klavierstimmers der Welt. Mit einer Widmung auf der Innenseite des Buchdeckels nahmen dann auch zahlreiche Gäste Geschichten von übersensiblen Künstlernaturen und von kleinen und großen Pannen mit nach Hause.

 

Mohr begleitete in seinem Leben große und unvergessliche Virtuosen.
Er selbst wurde an diesem Abend von einem jungen, Pianisten mit brillanter Ausdruckskraft und leidenschaftlicher Interpretation begleitet. Moritz Ernst schenkte mit Jean-Philippe Rameau „Gavotte variée“ und Claude Debussys ce qu'a vu le vent d'Ouest aus den Préludes dem Publikum und diesem Abend einen unvergesslichen musikalischen Rahmen. Ein junger Pianovirtuose, dessen Klänge – das darf man erwarten – die wichtigsten Konzertbühnen der Welt erobern können.

 
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